Handball: TBV Lemgo Lippe und VfL Gummersbach zeigen, wie Inklusion im Sport gelebt werden kann. Am Samstag macht die Glücksliga Station in der Phoenix-Contact-Arena.
Berichterstattung aus der Lippischen Landeszeitung am 11. September von Jörg Hagemann
Lemgo. Glänzende Kinderaugen sind kein Privileg von Weihnachten oder Geburtstagen. Bereits ein Vierteljahr vor der Bescherung öffneten die Bundesligahandballer vom TBV Lemgo Lippe und vom VfL Gummersbach Herzen. Sogar das ARD-Morgenmagazin berichtete über die inklusiven Aktionen rund um den Lemgoer 31:25-Sieg, bei dem über 100 Athleten von Special Olympics NRW sowie der Glücksliga-Bewegung dem etwas sperrig klingenden Begriff „Inklusionsspieltag“ Leben einhauchten. Statt wie üblich flotten Schrittes in die abgedunkelte Halle einzulaufen, passten sich die Handballprofis ihren aufgeregten Begleitern an. Absoluter Gänsehautmoment war, als Tim Suton Benni Herrnstadt aus dem inklusiven Redaktionsteam von Special Olympics NRW im Rollstuhl aus dem Tunnel aufs Feld schob. Nicht nur Dyn-Reporter Florian Naß, der einst seinen Zivildienst in einer Behinderteneinrichtung leistete, zeigte sich beeindruckt. Bereits drei Stunden vor dem Anpfiff war Jannis Becker aus dem Marketingteam des TBV mit den Gästen zu einer Arenaführung aufgebrochen. Hallensprecher Sascha Quisbrock erhielt bei der Vorstellung der Spieler Unterstützung von Thomas Wendt, der sich besonders bei einem Namen größte Mühe gab: Gummersbachs Nationalspieler Julian Köster ist der Botschafter von Special Olympics NRW. Das starke Signal für Teilhabe und Vielfalt, welches rund um das Duell zwischen den beiden NRW-Traditionsklubs ausgestrahlt wurde, erhält an diesem Samstag in der Phoenix-Contact-Arena direkt eine Fortsetzung beim 4. Glücksliga-Cup, an dem insgesamt 30 Glücksteams teilnehmen. 29 Vereine aus Deutschland plus ein Allstar-Team aus Dänemark. Allein das Lesen ihrer Namen sorgt schon für fröhliche Mienen: Happy Kids Bielefeld, Bösingfelder Handball-Helden oder Handball-Glück Detmold sind nur einige Beispiele. Entstanden ist die Bewegung 2021 in Bad Salzuflen (siehe Kasten), wo sich die SuperKidz fanden. „Inzwischen bieten in Deutschland 37 Vereine Handballfreuden für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Einschränkungen an“, berichtet Andreas Stolle, der als Vorstand der Glücksliga fungiert. Ergebnisse sind dabei sekundär. Es geht um die Freude am Spiel, das selbstbestimmte Handballerlebnis und die Förderung sozialer Kontakte. „Erfolgsdruck kennen wir nicht. Der Glücksliga-Cup ist ein Event, auf dem sich die Kids gegenseitig abfeiern können“, sagt Stolle und freut sich mit 350 Aktiven und 150 Trainern am Samstag ab 10 Uhr bei freiem Eintritt über viele Zuschauer. Auch die beiden lippischen Handball-Aushängeschilder sind dabei. Laura Rüffieux, Alexia Hauf und Nieke Kühne von der HSG Blomberg-Lippe sowie Jan Mudrow und Samuel Zehnder vom TBV werden Autogramme schreiben.
Auto und Foto: Jörg Hagemann
DAS STECKT HINTER DER GLÜCKSLIGA
Die Glücksliga setzt sich dafür ein, Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Zugang zum Handballsport zu ermöglichen – ohne sportlichen Leistungsdruck und mit viel Spaß an Bewegung und Gemeinschaft. Die Idee hierzu hatte 2018 die dänische Ex-Nationalspielerin Rikke Nielsen. Ihre Landsfrau Maria Ravn Jörgensen und Andreas Stolle adaptierten die Idee 2021 und gründeten mit fünf Kindern unter dem Dach von Handball Bad Salzuflen die „SuperKidz“. 2022 folgte die Gründung der Glücksliga. Unter diesem Begriff werden bundesweit inklusive Events und Turniere organisiert, die Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ermöglichen und Vorurteile abbauen.


